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Nils Löwe

2. September 2026

Die Minuten kamen woanders her

„Das System ist zu langsam.“ Kaum ein Satz wird öfter gesagt und seltener nachgemessen.

Bei mir war es genauso. Jeden Morgen lasse ich mir zusammentragen, was ansteht: Termine, offene Aufgaben, Fristen, was über Nacht reingekommen ist. Aus einem guten Dutzend Quellen. Das hat grob 5 bis 8 Minuten gedauert, in denen ich nichts getan habe als warten.

Meine Erklärung war die naheliegende. Viele Abfragen, lahme Verbindungen, das braucht eben.

Dann habe ich es messen lassen, statt weiter zu vermuten.

Die Minuten kamen fast nicht aus den Abfragen. Sie kamen daraus, dass rund 20 Schritte streng nacheinander liefen, weil jeder auf das Ergebnis des vorherigen wartete. Nicht die Geschwindigkeit war das Problem. Die Reihenfolge war es.

Der zweite Befund war mir unangenehmer. Der dickste Posten steckte in acht Statusdateien, die beschreiben, wo meine Projekte gerade stehen. 467 Kilobyte, jeden Morgen komplett gelesen, obwohl ich aus jeder zwei Abschnitte brauche.

Hätte ich meiner ersten Erklärung geglaubt, hätte ich etwas Schnelleres gekauft und wäre danach genauso lange sitzen geblieben. Der billigste Schritt ist stattdessen einer ganz ohne neue Technik: nur die Abschnitte lesen, die ich wirklich brauche.

Ich halte „erst messen, dann bauen“ ja seit Jahren für eine Binsenweisheit. Trotzdem habe ich wochenlang über die Lösung nachgedacht, bevor ich eine Viertelstunde in die Messung gesteckt habe.

Woran liegt es bei euch angeblich, und wann hat das zuletzt jemand nachgemessen?

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