16. September 2026
Das Einsammeln gebe ich ab, das Urteil nicht
Die Frage, die mir am häufigsten gestellt wird, ist nicht „was kann das“. Sie ist: „Und was fällt dann bei uns weg?“
Ich hatte darauf lange keine ehrliche Antwort. Inzwischen habe ich sie an der eigenen Arbeit gezogen, und die Grenze läuft überraschend sauber.
Abgegeben habe ich das Einsammeln. Was über Nacht reingekommen ist, welche Frist diese Woche fällig wird, wo ein Vorgang seit gestern anders aussieht. Alles, was reiner Transport von Informationen ist: etwas dort holen, wo es liegt, und an eine Stelle legen, an der ich es lesen kann.
Nicht abgegeben habe ich das Urteil. Was davon stimmt, was daraus folgt, und wen ich zuerst anrufe.
Im Innendienst sieht dieselbe Grenze so aus. „Wo steht meine Bestellung?“ Dafür schaut heute jemand in die Warenwirtschaft, sucht den Mailverlauf, fragt in der Fertigung nach und ruft beim Spediteur an. Vier Stationen für eine Antwort, die es irgendwo längst gibt. Dieses Suchen darf weg.
Ob der Kunde, der zum dritten Mal wegen desselben Teils anruft, gerade dabei ist, sich woanders umzuschauen, sagt einem dagegen kein System. Das hört jemand am Telefon, oder eben nicht.
Und ja, das ist mir lieber als jede Zahl, die ich hier nennen könnte. Der Teil, um den ihr euch Sorgen macht, ist ausgerechnet der, den keiner abgibt.
Wo würdet ihr die Linie ziehen? Was darf jemand für euch zusammentragen, und was wollt ihr selbst entscheiden?